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Jan - Josefsheim und Input


Mein Name ist Jan Lüfter, ich bin 25 Jahre alt, wohne in Dietenheim und begann mein freiwilliges Zivieldienstjahr zunächst im Oktober 2019 im Josefsheim in Bruneck. Da das Josefsheim Ende des Jahres seine Tore schließen musste, bin ich jetzt im Input in der Migrantenberatung tätig. Grund für die Schließung: Ende des Jahres 2019 war die Zahl an Migranten-Neuankömmlingen in Italien stark rückläufig.
 
Was waren deine Aufgaben im Josefsheim?

Am Anfang durfte ich die Heimbewohner nach Brixen in die Polizeikaserne begleiten, um ihnen dort eventuell zu helfen, wichtige Dokumente auszufüllen oder ihnen bei Gesprächen zur Seite zu stehen. Solche Aufgaben waren für mich besonders wichtig, um einzelne Mitbewohner näher kennenzulernen, mehr über sie zu erfahren und auch kleine Freundschaften entstehen zu lassen. Ich half ihnen auch bei der Arbeitssuche und begleitete sie zu unterschiedlichen Amtsgängen. Sie freuten sich aber auch, wenn man ihnen einfach zuhörte und immer ein offenes Ohr für sie hatte und ihre Ängste und Sorgen ernst genommen hat. Da das Josefsheim Ende des Jahres die Tore schließen musste, waren wir auch sehr stark damit beschäftigt, das Heim leer zu räumen. Was ich sehr schade fand, da ich mich sehr auf die Zeit und auf die Arbeit im Josefsheim gefreut hatte und ich so die Möglichkeit verpasst habe, viele von ihnen kennenzulernen.

Gab es besondere Projekte, und wenn ja, welche haben dir am besten gefallen?

Ja, es gab einige Projekte, wo ich meinen Beitrag leisten durfte, wie z.B. „Kinder in Not“ in Dietenheim, wo wir gemeinsam mit einigen Heimbewohnern halfen, Kleidungstücke, brauchbare elektronische Geräte und auch Spielzeug in LKWs zu transportieren. Auch beim Projekt “Gebrauchtkleidersammlung“, das jedes Jahr in ganz Südtirol stattfindet, durfte ich dabei sein, wo wir gemeinsam mit den Migranten halfen, die Säcke voll mit Kleidung in die LKWs zu laden. Zu Weihnachten haben wir im Josefsheim zusammen Weihnachtskränze gebastelt, und ich war erstaunt, dass so viele bereit waren, mitzuhelfen, auch wenn sie einen anderen Glauben haben. Ich durfte erfahren, welche Feste sie feiern und welchem Glauben sie angehören.

Was hat dich bisher am meisten im Josefsheim und Input beeindruckt?

Was mich am meisten beeindruckt hat, war, wie positiv die meisten Migranten in die Zukunft geschaut haben trotz ihrer harten Rückschläge, die sie erleben mussten. Wie freundlich und dankbar sie für jede Hilfe waren und viele Kleinigkeiten zu schätzen wussten, was wir für selbstverständlich nehmen. Auch ihr starker Wille, sich in die Gesellschaft zu integrieren, verschiedene Sprachen zu lernen und auch, wie motiviert einige waren, Neues zu erfahren, hat mich sehr beeindruckt.

Warum hast du dich für den Zivildienst entschieden?

Ich habe für ein Jahr die Landesfachschule für Sozialberufe „Hanna Arendt“ besucht und das erste Jahr/Sozialbetreuer positiv bestanden, in der zweiten Klasse habe ich die Schule abgebrochen und war anschließend in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig. Bald habe ich bemerkt, dass ich nur Freude an sozialen Berufen habe und mich daher dazu entschlossen, eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen. Bevor ich aber die Ausbildung anfange, wollte ich zuerst als Zivildiener arbeiten, da mich die Arbeit mit Migranten schon immer begeistert hat und ich die Gelegenheit nutzen wollte, um in diesen Bereich mal „reinzuschnuppern“. Ich sah dies auch als eine gute Möglichkeit, mich weiterzubilden, und natürlich wollte ich auch helfen, wo Hilfe benötigt wird und wo ich helfen kann. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen - es ist eine gute Möglichkeit, viele neue nette Leute kennenzulernen und auch die ganzen Vorurteile, die leider viele Menschen gegenüber Migranten haben, abbauen zu helfen und zu sehen, dass sie sehr wohl bemüht sind, sich zu integrieren und ihren Teil zum sozialen Leben in unserer Gesellschaft zu leisten.


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