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Anna - Haus Aaron


Für den Zivildienst habe ich mich entschieden, weil ich mir nach der Matura ein Jahr Zeit nehmen wollte, um Klarheit zu schaffen, was ich aus meiner Zukunft machen will. Also habe ich im Oktober 2019 mit meinem Dienst im Haus Aaron begonnen.

In diesem Flüchtlingshaus wohnen zurzeit 75 Asylbewerber aus 11 verschiedenen Ländern. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, den Gästen Sprachunterricht anzubieten: Die meisten wollen ihr Italienisch verbessern, einige gehen aber auch zur Schule und brauchen Hilfe mit der deutschen Sprache.

Da viele in ihren Herkunftsländern schon den Führerschein hatten, dieser aber in Italien nicht gültig ist, unterstütze ich sie auch bei der Vorbereitung auf die Theorieprüfung für den Führerschein. Außerdem habe ich mit meinen Kollegen einen Computerraum eingerichtet, wo in Zukunft Einführungskurse für die Gäste stattfinden werden, damit sie die Computer selbstständig benutzen können, beispielsweise um Arbeit oder Unterkunft zu suchen.

Als aber Ende Februar 2020 die Coronavirus-Pandemie ausbrach, änderten sich meine Einsatzbereiche. Es war nicht mehr möglich, Deutsch und Italienisch zu unterrichten, da der Mindestabstand nicht eingehalten werden konnte, ich musste meinen Kontakt zu den Gästen auf das Mindeste reduzieren, um meine und ihre Gesundheit nicht zu gefährden. Viele der Gäste reagierten mit Angst und Sorge auf die neue Situation und auch die Ausgangssperre machte ihnen zu schaffen. So wurde ich in dieser Zeit zum Ansprechpartner für die Gäste, die mir ihre Bedenken und Unsicherheiten mitteilten und ich versuchte, sie so gut wie möglich zu beruhigen und ihnen positiv zuzureden.
Die größte Schwierigkeit in dieser Situation war die Sprachbarriere, denn man muss einen Weg finden, sich in einfachen Worten auszudrücken, ohne lange um den heißen Brei zu reden.

Diese Monate im Zivildienst haben mich in erster Linie in Geduld geschult, da ich eigentlich eine ungeduldige Person bin. Außerdem habe ich gelernt, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden und habe auch für mich selbst Vieles aus verschiedenen Kulturen mitnehmen können. Durch die monatlichen Treffen mit den anderen Zivildienern habe ich viele engagierte Jugendliche kennengelernt, mit denen immer wieder ein spannender Austausch stattgefunden hat.


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