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Cochabamba, Bolivien

Hola, ich heisse Sarah, bin 26 Jahre alt und erfülle mir grad meinen langjährigen Wunsch, einen Solidaritätsbesuch machen zu dürfen. Es hat mich nach Cochabamba in Bolivien gezogen, wohin genau möchte ich euch nun erzählen:
Als gelernte Logopädin habe ich mir das Centro Sigamos, eine Einrichtung für Kinder mit Beeinträchtigung ausgesucht. Hierher kommen täglich 35 Kinder mit unterschiedlichen neurologischen Störungsbildern, wie kognitive Retardierung, Down-Syndrom oder auch seltene genetische Erkrankungen. Seit Jänner diesen Jahres gibt es eine neue Gruppe, die Frühfördergruppe, in der Kinder ab ca. 2,5 Jahren ganzheitlich gefördert und stimuliert werden. Dies finde ich als Logopädin super, da die Frühtherapie präventiv sehr wichtig und sinnvoll ist; und es freut mich um so mehr, seit ich realisiert habe, dass dies mithilfe der finanziellen Unterstützung aus Südtirol zustande kam. Des Weiteren kommen ca. 20 Kinder zur Physiotherapie ins Zentrum oder werden von Carmen, der Physiotherapeutin bei Hausbesuchen betreut. Viele der Kinder haben Sprachschwierigkeiten oder auch Schluckprobleme, sodass ich als Logopädin genug zu tun habe. Aber auch als freiwillige Helferin wird man bei 4 Gruppen von jeweils durchschnittlich 9 Kindern immer gebraucht. Insgesamt würde ich mir für die Erzieherinnen mehr Vorbereitungszeit und didaktisches Material wünschen, um auf die Kinder besser eingehen zu können. Neben Sigamos arbeite ich als Freiwillige in Vida y Esperanza, einem Sozialprojekt, welches derzeit 156 Kinder und deren Familien begleitet und unterstützt, Tendenz steigend.

Es basiert auf mehreren Säulen: So bietet es die Aufgabenhilfe an, bei der wir 4x wöchentlich durchschnittlich 20 Kindern in zwei relativ kleinen Räumen dabei helfen, ihre erstaunlich üppigen Hausaufgaben zu bewältigen. Trotz eifrigem Arbeiten schafft es nicht immer jedes Kind, das geforderte Arbeitspensum zu erfüllen. Der Druck seitens der Schule ist hoch, in den Klassen sind etwa 30-40 Kinder und die Lehrmethode scheint sich zu häufig auf "Lernen durch Abschreiben" zu stützen, sodass ein Kind sehr leicht untergehen kann. Bestehen schulische Schwierigkeiten, fühl ich mich aufgrund der vielen Kinder und der begrenzten Zeit doch auch mal hilflos und wünschte mir mehr MitarbeiterInnen. Eine üppige Geschwisterzahl, ganztagsarbeitende Eltern, emotionale Vernachlässigung, oder auch einfach nicht verfügbares Schreibmaterial, wie etwa Farben oder ein Lineal, können als einige der Gründe dafür genannt werden, warum die Kinder die Aufgabenhilfe sehr regelmäßig nutzen. Das größte Ziel des Projektes “Vida y Esperanza” ist die Förderung der Schulbildung und somit ist die Hausaufgabenhilfe sehr wichtig, damit die SchülerInnen weiterkommen. Samstags steht dann die Gruppe und das Spiel im Vordergrund, um das Kind einfach Kind sein lassen zu dürfen und den Alltag etwas in den Hintergrund zu rücken. Mittags kochen und essen die Kinder gemeinsam eine Mahlzeit, welche oft genug am liebsten für die Familie zuhause in die Hosentasche wandern würde… Zudem werden den Kindern bei Gelegenheit Schulmaterialien, zurzeit Schuhe, manchmal auch Lebensmittel geboten.

Die dritte Säule, das Fundament, bildet die Sozialarbeit. Mirtha Oviedo Arevalo, die Hauptverantwortliche des Projektes fungiert als direkte Ansprechperson für die Familien und ihre Anliegen und macht konstante Hausbesuche, um sie psychologisch und ökonomisch zu unterstützen. Aufgrund bereits jahrelanger Begleitung der Familien erhält Mirtha Vertrauen und Respekt von Frau und Mann in Champarrancho. Dies ist in Gesprächen bei doch auch schwierigen Rahmenbedingungen für die Familie, wie etwa finanziellen Problemen, Sucht- und Gewaltsituationen, unabdingbar und macht einen Hausbesuch für mich als beobachtende Freiwillige zu einem tiefgreifenden Erlebnis. Seit Anfang Februar wird die Einrichtung des Weiteren von Sariah, einer Psychologin, in Form von psychologischer Abklärung und Beratung, Workshops zur psycho-sozialen Entwicklung und Berufsberatung fachlich unterstützt.

Bolivien ist ein sehr vielfältiges Land, reich an Natur, Farben, Klängen, … und interessanten Menschen. Als Freiwillige bekomme ich für einige Monate Einblick in die Projekte von Vida y Esperanza. Die Arbeit in den Projekten ist wichtig und schenkt uns Freiwilligen Spaß, Herausforderung und neue Denkanstöße. Auch das Leben in der Familia boliviana ist eine intensive Erfahrung und ein toller Weg, um ein Land und seine Menschen kennenzulernen.


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