Armut und soziale Ausgrenzung

2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Armut hat viele Gesichter und gehört zu Recht in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion in Europa gerückt: 23,5 Millionen Europäer leben mit weniger als 10 Euro am Tag, fast 20 Prozent der Europäer fristen in nicht menschenwürdigen Behausungen ihr Dasein, fast jeder zehnte Europäer lebt von Arbeitslosengeld. 79 Millionen Personen in der Europäischen Union sind von Armut bedroht, das sind 16 Prozent der Bevölkerung. Am stärksten von Armut betroffen sind Kinder (fast jedes fünfte in Europa) und alte Menschen.
Armut ist in Südtirol kaum sichtbar, aber es gibt sie, auch wenn sie nur selten lebensbedrohlich ist. Im Jahr 2003 - dem Datum der letzten Erhebung - definierte das Landesinstitut für Statistik Astat 14,9 Prozent der Südtiroler Bevölkerung als "relativ arm". Demnach lebt jede siebte Familie in Südtirol an oder unter der relativen Armutsgrenze. Besonders armutsgefährdet sind Arbeitslose oder Kranke, Menschen ohne ausreichende Ausbildung, kinderreiche Familien, getrennt Lebende und Opfer der Wirtschaftskrise. Armut kann fast jeden treffen. Und: Armut ist vererblich. Denn Kinder aus armen Haushalten bleiben oft auch als Erwachsene arm. 

Armut - was dagegen?
Im heurigen Jahr 2010 lädt die Caritas ein, auf verschiedenen Ebenen über Armut nachzudenken und Solidaritätsarbeit und Nachbarschaftshilfe zu verstärken. Die Caritas Diözese Bozen-Brixen führt mehr als zwanzig Fachdienste für Menschen in schwierigen Lebenssituationen: für ver- und überschuldete Menschen; für Menschen, die krank, im Sterben oder in Trauer sind; für Frauen und Männer,die auf der Straße leben und ein Obdach suchen; für Menschen, die sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis ein neues Leben aufbauen wollen; die eine warme Mahlzeit brauchen; die eine Sucht oder psychische Erkrankung überwinden wollen; die am Telefon ein offenes Ohr für ihre Probleme suchen; für Einwanderer und Flüchtlinge, die in Südtirol Schutz und Arbeit suchen. Die Zahl der Hilfesuchenden steigt ständig an.

Neun konkrete Handlungsvorschläge gegen die Armut:
- Über Armut sprechen und auch andere dazu auffordern
- einem Kind erklären, was Armut bedeutet
- Produkte aus dem fairen Handel kaufen
- zugunsten einer Spende für eine Hilfsorganisation auf ein Geschenk verzichten
- lokale Anbieter unterstützen
- sich in der Nachbarschaft aufmerksam umschauen, um zu erkennen, wer arm ist
- Behörden informieren und auffordern, sich für Arme einzusetzen
- Obdachlosenzeitschrift kaufen
- umweltbewusst handeln: Handys recyclen, Energie und Wasser sparen, Müll trennen

Die Caritas Europa hat eine Petition ausgearbeitet, die von der Europäischen Kommission angemessene Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung der Armut fordert: bis zum Jahr 2015 sollen Kinderarmut in ganz Europa beseitigt, jedem Bürger ein Mindeststandard an sozialer Sicherheit garantiert, die Leistungen im Sozial- und Gesundheitswesen ausgebaut und Arbeitsplätze gesichert werden. Die Petition kann unter www.zeropoverty.org eingesehen und unterzeichnet werden. Mit diesen Unterschriften soll die Europäische Kommission am Ende des Jahres aufgefordert werden, sich einzusetzen für einen wirksamen Kampf gegen die Armut.

youngCaritas hat verschiedenes Material (Hintergrundinformationen, Spiele, ...), das den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, sich mit dem Tabu-Thema Armut auf spielerische Art auseinander zu setzen.
 
 

 

Laufen für Kenia!

     
 
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